Unfoobar


Weil foobar nun mal jeder kann.

"Datenschutz geht mich nix an!"

Gelaber vom 20.08.2018

Gestern Abend scrollte ich gemütlich durch ein studentenlastiges und pseudoanonymes soziales Netzwerk und traf auf einen Beitrag zum Thema Datenschutz. Der Verfasser kritisierte die ausgiebigen Debatten über den Schutz persönlicher Daten frei nach dem Motto "als ob es irgendwen juckt, was irgendein nobody im internet macht" und eine lebhafte Diskussion entstand. Dabei fiel mir einmal mehr auf, wie weit diese Meinung verbreitet ist und ich habe das Gefühl, dass jenen Personen nicht wirklich bewusst ist, wie "das Internet" ohne Datenschutz aussähe.

Betrachten wir doch einmal die fiktive fünfzehnjährige Julia in einer fiktiven Welt gänzlich ohne Datenschutz. Julia ist auf Facebook unterwegs, kauft gern über das Konto ihrer Eltern bei Amazon und Zalando ein und schaut nach den Hausaufgaben gern Videos von BibisBeautyPalace. Wenn sie nicht weiter weiß, fragt sie oft Dr. Google um Rat und ein gutes Selfie wird sofort auf Instagram gestellt. Mit ihren Freunden schreibt sie tagtäglich über Whatsapp und zu Hause hat sie ein eigenes Notebook. Die wichtigen Dokumente und all ihre Fotos packt sie mittlerweile auf eine Dropbox, weil ihr einmal ein Aufsatz für die Schule auf ihrem einzigen USB-Stick verloren gegangen ist. Julia trifft sich morgen mit Arne, den sie in einem Feriencamp auf Sylt am Anfang der Sommerferien kennengelernt hat. Arne ist im selben Alter und kommt extra aus dem 120km entfernten Hamburg mit dem Zug für einen Tag zu ihr. Am nächsten Tag steht sie sehnsüchtig am Bahnhof, doch kein Arne in Sicht. Auf Nachrichten und Anrufe reagiert er nicht, bei Facebook und Whatsapp hat er sie blockiert.

Arne ist am Abend zuvor in einem Forum auf eine Seite namens stalkme.com gestoßen, die automatisiert Personenprofile erstellt und diese für registrierte Nutzer zugänglich macht. Kostenlos findet man dort zu einer Person Daten wie Adresse, Telefonnummern und öffentliche Bilder von sozialen Netzwerken. Mittels Paketen für je 5€ kann man sich zudem Chatverläufe von Whatsapp und Facebook anschauen, Browserhistorien ausgeben lassen oder Bilder und Dokumente in Dropbox und oneDrive durchsuchen. Das Premium-Paket bietet sogar Mitschnitte von Smartphone- und Notebookkameras und Nutzungsprotokolle von SmartHome-Anlagen an, aber das ist mit 25€ nicht mehr ganz so günstig. Aber wo hat diese Seite die ganzen Daten her? - Direkt von den Betreibern und Herstellern. Sie verkaufen die Daten ihrer Nutzer und Kunden an stalkme.com und verdienen dadurch gutes Geld. Zwar muss man sich mit dem Handel etwas bedeckt halten damit die Nutzer nicht das Vertrauen verlieren, aber warum sollte man sich so viel Geld durch die Lappen gehen lassen wenn es doch erlaubt ist?

Arne war neugierig und hat sich erstmal nur die Chatverläufe von Julia gekauft, um zu schauen wie sie so ist. Dort hat er ein Gespräch zwischen ihr und ihrer besten Freundin Konstanze aus dem letzten Jahr gelesen, in dem sie über die Trennung ihrer Eltern redet und die finanziellen Probleme des Vaters, bei dem sie jetzt wohnt.



Für mich ist das eine beängstigende Vorstellung, wenn jeder Hans und Franz Zugriff auf die persönlichsten Daten von mir hätte. Im gewissen Maß ist dieses Szenario sicherlich jetzt schon Realität, denn die Betreiber großer Webdienste nutzen ja bereits vollkommen legal unser Nutzungsverhalten für personalisierte Werbung. Und schließlich geben wir ihnen ja in weiten Teilen vollkommen blind alles, was man über uns wissen kann. Doch ist gerade diesen großen Unternehmen der Zugriff auf unsere Daten vorbehalten, denn durch das Bundesdatenschutzgesetz ist geregelt, was sie damit machen dürfen und was nicht.


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